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Glückliche Seele

Glückliche Seele 7. Mai 201812 Comments

… es ist schon wieder einige Zeit vergangen seit meinem letzten Journal Post… Doch die vergangenen Wochen waren turbulent und ich kann nunmal nur dann schreiben, wenn mein Kopf frei ist und ich nicht unter Strom stehe. Denn dann müsste ich hier gezwungenermaßen etwas runtertippseln und mein Herz wäre nicht dabei. Also gibt es erst heute wieder einen neuen Beitrag. Und in diesem geht es um (m)eine glückliche Seele.

Wow – toll, dass du das so offen aussprichst!” – das ist wohl die häufigste Reaktion, wenn ich meinen Mitmenschen erzähle, dass ich seit Oktober in Psychotherapie war. 1 Mal pro Woche. Regelmäßig, bis vor kurzem. Um genau zu sein, bis zu jenem Moment, in welchem ich mich zum ersten Mal in meinem Leben so entschieden habe, wie ICH es für richtig erachtete. Und genau das war der Moment, als ich in meiner Probezeit mein Dienstverhältnis auflöste. Ich hätte mich niemals zu dieser Entscheidung durchgerungen, wenn ich mir in den vergangenen Monaten nicht selbst die Möglichkeit gegeben hätte, meine Lasten aus der Vergangenheit aufzuarbeiten. Und, um es mal ganz salopp zu sagen: wenn ich mich krank fühle, gehe ich doch auch zu einem Arzt. Warum sollte ich das nicht auch tun, wenn meine Seele krank ist?

Zerbrochene Seele

Wie jeder andere Mensch auch, habe ich so meine Päckchen aus der Vergangenheit mit mir herumgetragen. Ich kippte sehr oft und sehr schnell in meine gewohnten Muster, war permanent unzufrieden und litt unter Depressionen. Diese Depressionen entstanden in meiner Teenager-Zeit. Sie verschafften sich ohne jegliche Vorwarnung und mit voller Wucht Zugang zu meinem Leben. Es gab Tage, da wachte ich weinend auf, sah keinen Sinn in meinem Dasein, war verzweifelt und todtraurig. Ich fragte mich selbst nach meiner Berechtigung, Teil dieses Lebens sein zu dürfen. Wenn ich abends zu Bett ging, weinte ich weiter und schlief völlig erschöpft ein. Doch ich konnte auch nicht richtig schlafen, denn meine traurige Seele arbeitete in der Nacht weiter. Pausenlos. Schweißgebadet aufgewacht und des Schlafes entzogen, kullerten bereits die nächsten Tränen über meine Wangen. Es tat weh – ALLES. Mein Körper, aber noch viel schlimmer – mein Herz. Heftige Stiche durchdrungen mein kleines, von Kummer erfülltes Herz. Ich war so sehr in meiner Gedankenwelt verloren, dass ich nicht in der Lage war, mein Leben und mich als Person von einer anderen Perspektive zu betrachten. Ich verlor mich, ich verlor die Person, die ich war. Ich fing an, mich selbst zu verletzen. Immer und immer wieder. Denn das war mein Ventil und in meinen Augen die verdiente Strafe, denn ich wahr ja ohnehin nichts anderes als schlecht.

Ich war auch früher schon in Psychotherapie. Jedoch aus einem Gefühl heraus, dass ich eben das tun musste. Ich wollte niemanden mehr belasten. Und genau hier entwickelte sich etwas, das mich vergessen ließ, wer ich als Mensch bin und was ich brauchte. Ich wollte es allen Menschen in meinem Umfeld recht machen. Ich wollte niemandem Kummer bereiten, obwohl ich genau das ganz bewusst tat. Mein Lebensziel war es, meine Mitmenschen zufriedenzustellen. Jahrelang.

Doch diesmal war alles anders. Im Zuge meiner nun von mir bewussten Entscheidung für einen neuerlichen Therapieversuch, konnte ich einen immens wichtigen und belastenden Part meines Lebens ENDLICH hinterfragen – ohne Schuldgefühle oder andere blockierende Gedanken. Meine permanente Unzufriedenheit. Dieses Gefühl ständiger Unzufriedenheit frustrierte mich zutiefst. Ich wusste jedoch nicht, woher es kam. Doch plötzlich war die Antwort ganz deutlich und klar: durch die Tatsache, dass ich immer damit beschäftigt war, meine Mitmenschen, Kollegen, Wildfremde zufriedenszustellen, tat ich den ganzen Tag nichts dafür, um selbst ein Gefühl von Zufriedenheit zu erlangen. Wie soll man denn auch zufrieden sein, wenn man nichts für sich selbst tut? Das kann nicht funktionieren und genau das ist eine der für mich grössten Erkenntnisse der letzten Monate.

Das Problem der Opferrolle

Seit ich diesen positiven inneren Wandel erleben darf, der mich manchmal auch schon mal überwältigt, werde ich ganz oft mit meinem Spiegel der Vergangenheit konfrontiert – und zwar dann, wenn ich mit anderen Personen spreche, die sich genau so verhalten, wie ich es jahrelang tat. Ich muss es hier leider gestehen: ich lebte ausschließlich in Erlebnissen meiner Vergangenheit, zerstückelte jedes in seine Einzelteile. Durch meine gelebte Opferrolle krallte ich mich an das Gefühl, wahrgenommen zu werden. Ich definierte mich über das nach außen transportierte Gefühl, immer Opfer gewesen zu sein. Ich genoss es, wenn man mir Mitleid entgegenbrachte – denn dadurch fühlte ich mich in meinem Denken, meiner erschaffenen Welt, bestärkt. Ich sagte zwar immer wieder, dass ich doch glücklich sein wolle. Doch ich fühlte es nicht – ich wollte arm sein und bemitleidet werden. Bei jedem Lösungsvorschlag, der von außen kam, hatte ich ein plausibles Gegenargument – ein Argument dafür, warum ich mit meiner Einstellung im Recht wäre. Ich belastete viele der Personen in meinem Leben mit MEINEN Problemen, ohne Rücksicht, dass auch manche Menschen unter diesen waren, die sich meine Aussgaen weitaus mehr zu Herzen nahmen, als es mir bewusst gewesen wäre. Auf der einen Seite hasste ich mich als Menschen abgrundtief, auf der anderen Seite trugen jedoch immer alle anderen Schuld daran, dass ich armes Mädchen doch so unfassbar unglücklich war. Wenn ich heute so darüber nachdenke, war mein Verhalten verantwortungslos und egoistisch. Obwohl ich immer schon ein sehr selbstreflektierter Mensch war, so war mein Verhalten jedoch unbedacht und, wie ich heute empfinde, anstrengend. Wieso erzählt man anderen von den eigenen Sorgen und Problemen und nimmt dann doch keinen einzigen Ratschlag dieser Personen an? Ein Phänomen, das mir immer bewusster zugänglich wird, seit ich mich so verändert habe. Warum jammert man so gerne vor sich hin, ändert aber nichts an der eigenen Situation? Eine ganz zentrale Frage, deren Antwort eigentlich ganz einfach ist: weil es kaum jemandem tatsächlich gelingt, im JETZT zu leben. Der Rucksack an negativen Erfahrungen, die – wenn man die eigene Einstellung verändert – gar nicht mehr so negativ sind, sondern sehr viel Gutes mit sich bringen, beeinflusst unser Leben. Doch nur, solange man diesen Erfahrungen Raum bietet und ihnen erlaubt, über das eigene Leben zu bestimmen. Würde ich heute den letzten Tag meines Lebens verleben, dann würde ich keinen einzigen Gedanken an meine Vergangenheit verschwenden – zumindest nicht an all die vermeintlich negativen Erlebnisse. Ich würde daran denken, was ich genau JETZT, IN DIESEM MOMENT, tun möchte und würde es tun. Ich bin an einen Punkt gelangt, an dem mir ganz deutlich wurde, dass ich nicht behaupten könnte, das Beste aus meinem Leben gemacht zu haben. Ich habe wahnsinnig viel Zeit und Energie verschwendet, um in meiner Opferrolle zu leben. Der beste Start, um es ab jetzt ganz anders zu machen. Nicht besser, denn ich bin dankbar für meine dunklen Tage. Doch ich würde es nicht mehr so machen, wie ich es bis jetzt immer gemacht habe! Denn nur dann gebe ich mir die Chance, dass sich etwas verändert. Und das tut es – ich bin das lebende Besipiel!

Glückliche Seele

Durch die Tatsache, dass ich nun bewusst mit einer positiven Einstellung durch’s Leben gehe, hat sich alles verändert. Ich rede mir jedoch nichts ein, sondern lebe diese Tatsache. Und mit alles meine ich wirklich ALLES. Hätte ich mir vor einem Jahr die Frage gestellt, was ich alles gut an mir finde, so hätte ich ausschließlich negative Dinge aufgezählt. Heute hingegen fällt mir jeden Tag eine neue Eigenschaft an mir auf, die ich mag und gut finde. Ich begegne Menschen offen, ich begegne ihnen so, wie ich bin. Ich verstelle und verbiege mich nicht mehr. Und wenn jemand damit nicht umgehen kann, ist das völlig legitim. Denn auch ich kann nicht mit jedem Menschen! Doch ich fange nun nicht mehr damit an, an mir herumzuwerkeln und mich anzupassen. Ich lebe in dem völligen Bewusstsein dafür, dass ich es verdient habe, glücklich in jeden neuen Tag zu starten. Ich lerne gerade, mich nicht mehr mit anderen zu vergleichen, denn ich empfinde es als schwachsinnig, das zu tun. Wieso sollte ich genau so sein wie Person Y? Diese Person existiert doch bereits, also bin ich doch 1000 Mal lieber ich – mit all meinen Ecken und Kanten. Nicht umsonst ist jeder Mensch einzigartig und genau das genieße ich – meine Einzigartigkeit.

Es wird sich im Leben nichts verändern, wenn man alles weiter so betreibt wie bisher, dieselben Schemata lebt und sich von diesen eigenen, negativen Gedanken leiten lässt. All das sind antrainierte Muster, die nichts mit uns als Individuum zu tun haben. Sie basieren auf Erfahrungswerten, welche uns in ähnlichen Gefühlssituationen belügen und uns einreden möchten, dass dies die einzige Wahrheit ist. Das kennt ihr bestimmt: man gelangt immer wieder in dieselben unangenehmen Situationen, die man doch in Wahrheit so hasst. Diese Momente, wo alles zusammenkommt. Doch hasst man sie wirklich? Oder sind diese Situationen eine Möglichkeit, sich in die Opferrolle zu begeben und Aufmerksamkeit zu erlangen? Wäre es nicht viel schöner, wenn die Frage “Wie geht es dir” mit einem ganz deutlichen “Sehr gut” zu beantworten wäre? Das Gefühl, dass man auf diese Floskel tatsächlich “Sehr gut” antworten kann, ist unbeschreiblich! Selbst jetzt, wo ich es nur schreibe, sprudelt mein Körper vor positiver Energie. Für mich ist es wie dieses Gefühl, wenn man vor lauter Rührung weinen muss – das beschreibt es wohl am besten. Meine Selle ist glücklich und ich werde sie künftig beschützen, damit sie das auch bleibt!

Wenn man anfängt, seine Entscheidungen nach einem ganz eindeutigen Bauchgefühl zu treffen – ohne äußere Einflüsse, Ängste, Meinungen anderer – dann wächst man. Man lernt, sich selbst zu vertrauen. Man nimmt sich wahr und vor allem ernst. Ich kann euch nur den Tipp geben, es auszuprobieren! Denn oft ist das Abwägen von Pros und Contras lediglich der Versuch, eine Entscheidung in die Länge zu ziehen. Wenn man ehrlich zu sich ist, trifft man seine eigenen Entscheidungen relativ rasch, doch aus Ängsten heraus, fällt man letztendlich keine Entscheidung für sich selbst, sondern basierend auf vergangenen Erlebnissen und Situationen – aus denen man meist auch mit einem Gefühl der Unzufriedenheit raus ging. Durchbrecht eure eingefahrenen Muster und nehmt euch selbst wahr!

Also – wenn heute der letzte Tag deines Lebens wäre, würdest du genau das tun, was du gerade tust?

☆ bun_themup ☆

12 comments

  1. Bravo, Magdi! Ich bin beeindruckt von deiner Klarheit und Reife und freue mich mit dir über die erweiterten Perspektiven, die du dir ja letztendlich selbst erarbeitet hast. Voller Respekt!!!

    1. Meine liebe Susi,

      erst einmal ein riesen DANKE, dass du auf meinem bun_themup Facebook-Profil so aktiv bist!! Ich freue mich wirklich sehr, dass du mich hier so unterstützt ❤
      Es hat einige Zeit gedauert, bis ich nun an diesen Punkt und meine positive Einstellung zum Leben gelangt bin. Es fühlt sich fantastisch an und ich bin froh, dass ich hier angekommen bin 😍

      Ich freue mich sehr darauf, dich bald wieder zu sehen! Danke für alles!

      Bussi

  2. Hast zT auch aus meiner Seele gesprochen. Die Achtsamkeit auf sich selbst und das JETZT zu lenken ist nicht leicht, mit der Vergangenheit (und auch der unbekannten Zukunft) seinen Frieden zu schliessen noch viel schwerer. I feel you, sister!

    Und jetzt leuchte weiter, mein Schmagdi-Stern! <3

    1. Hallo, mein liebes Würmchen,

      ja – das ist wirklich eines der schwierigsten Dinge überhaupt! Aber man kann es trainieren 🍀 Man sollte sich einfach an der Nase nehmen und die Vergangenheit ruhen lassen. Ich weiß, WIE schwer das ist. Aber für mich war das ein Gefängnis ohne Fenster und dahin will ich nie wieder zurück!

      Ich freu mich, wenn du endlich wieder da bist ❤️

  3. die opfer – täter – rolle ist so eine sache….da ich, wie jeder mensch, meine lebenskrisen hatte und nach lösungen suchte, hab ich ebenfalls eine therapie gemacht und tolle leute kennengelernt…unter anderem hat mir ein freund(therapeut) gesagt, dass opfer immer auch täter sind und umgekehrt…somit erübrigt sich die frage nach mitleid und schuld!! ich wünsch dir alles alles gute für dein leben und die energie, falls ein rückschlag kommt, sofort was dagegen zu tun….😍😍😍🤗

    1. Liebe Kathi,

      genau so ist es! Auch wenn man es nicht will, gelangt man manchmal eben auch in die Position des anderen Extrems!
      Das wünsche ich dir auch! Man muss einfach immer in Bewegung bleiben und eingefahrenen Mustern sofort entgegensteuern 😍

      Schönen Mittwoch & ganz liebe Grüße!!

  4. Meine liebe Magdi, Dein Beitrag berührt mich sehr, Ich als deine Muttl hab ja sehr viel miterlebt. Schön dass du auf einem guten Weg bist!!!! Ich hab dich unendlich lieb

    1. Liebe Mami,

      ja – da hast du einiges mitbekommen… Aber ich habe sehr viel lernen dürfen und bin mir sicher, dass ich auf dem richtigen Weg bin! Ich hab dich auch sehr lieb 😍😍😍!

      Dein Medi

  5. Ein wunderschöner ehrlicher Text liebe Magdi. Ich freu mich dass es dir gelungen ist so positiv und glücklich zu sein. Auch ich hab durch Therapie gelernt das Opfer hinter mir zu lassen.
    Wäre es mein letzter Tag – ich würde mit einem Lächeln einschlafen

    1. Meine liebe Susi,

      1000 Dank für deine lieben Worte und dass du dir die Zeit genommen hast, den Beitrag zu lesen ❤️
      Ich freu mich sehr, dass auch du deinen Weg gefunden hast und hoffe, dass wir uns mal wieder sehen! Dein letzter Satz berührt mich sehr!

      Ich schicke dir ein dickes Bussi aus Wien!

      Magdi

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